Was tun mit dem vielen Licht..?

Das Andere stehen lassen, ihm sich unterordnen, von ihm lernen, es als Gegenrede bewahren – das Disharmonische suchen mit Bedacht, die Chance der Offenheit wahrnehmen – Erkenntnisgewinn durch alternative Möglichkeiten, das Gegenteil suchen, ihm nicht ausweichen, sich ihm öffnen, den Denk-Anstoß mit all seinen Kanten akzeptieren, das Unbequeme unbequem lassen, der dissonanten Stimme des Anderen lauschen.“ (MAX PETER BAUMANN, Verstehen als dialogisches Prinzip). Quelle: Dialogisches Prinzip

 

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Zeit für Freundlichkeit

David Steindl-Rast vertritt eine pluralistische Religionstheologie, der zufolge weder das Christentum noch eine andere Religion „einzig wahre“ Heilsmittler sind: Religionen entstanden in einem spezifischen kulturellen und historischen Umfeld, und jede Religion könne die gleiche Funktion erfüllen. Quelle: Wikipedia

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Gute Nacht, Deutschland!

Thorsten Stelzner ist ein deutscher Lyriker, Satiriker, Verleger und Betreiber der Galerie und Kleinkunstbühne Die Vita-Mine in Braunschweig.

Eine Freundin schickte mir dieses Video – ein kleines Juwel am derzeitigen Corona-Poesie-Himmel..

Danke Thorsten!

 

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Ergebenheitsgebet

Was auch kommt, was mir auch die nächste Stunde, der nächste Tag bringen mag:
Ich kann es zunächst, wenn es mir auch ganz unbekannt ist, durch keine Furcht ändern.
Ich erwarte es mit vollkommenster innerer Seelenruhe, mit vollkommenster Meeresstille des Gemütes.

Durch Angst und Furcht wird unsere Entwicklung gehemmt – wir weisen durch die Wellen der Furcht und Angst zurück, was in unsere Seele aus der Zukunft hinein will!
Die Hingabe an das, was man göttliche Weisheit in den Ereignissen nennt, die Gewissheit, dass das, was da kommen wird, sein muss und dass es auch nach irgendeiner Richtung seine guten Wirkungen haben müsste, das Hervorrufen dieser Stimmung in Worten, in Empfindungen, in Ideen, das ist die Stimmung des Ergebenheitsgebetes.

Es gehört zu dem, was wir in dieser Zeit lernen müssen: Aus reinem Vertrauen leben, ohne Daseinssicherung, aus dem Vertrauen auf die immer gegenwärtige Hilfe der geistigen Welt. Wahrhaftig, anders geht es heute nicht, wenn der Mut nicht sinken soll.

Rudolf Steiner

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Portal oder Abgrund

Diese Zeit kann als Portal zu einem Neubeginn oder als Abgrund gesehen werden. Die Entscheidung, in den Abgrund zu fallen oder durch das Portal zu gehen, liegt bei dir. Wenn du deinen Zustand bedauerst und dir 24 Stunden am Tag panisch, nervös und mutlos die derzeitigen Nachrichten reinziehst, wirst du wahrscheinlich in das Loch fallen.

Aber wenn du diese Gelegenheit nutzt, dich selbst zu betrachten, Leben und Tod neu zu überdenken, auf dich und andere zu achten, wirst du das Portal durchschreiten. Betrachte die spirituelle Dimension dieser Krise aus der Adlerperspektive und sieh das große Ganze! Weiterlesen

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Menschlich bleiben

Raphael Bonelli, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, ist persönlich befreundet mit katholischen, evangelischen, orthodoxen und freikirchlichen Christen, Juden, Buddhisten, Muslimen, Bahai, Agnostikern und Anhängern ethnischer Religionen. Mit allen Vertretern hat er schon wissenschaftlich zusammengearbeitet und Veranstaltungen ausgerichtet. Quelle: Bonellis Website

Im Video spricht Dr. Bonelli über Ängste, Umgang mit Ängsten und unsere Verantwortung in Bezug aufs Menschsein.

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Hilfe! Fremdbestimmung!

Mir ist was aufgefallen.

Nämlich, dass wir zwar in einer globalen Welt leben – siehe Wirtschaft, Handel, Technologie und Corona – dass jedoch die dazugehörige Weltoffenheit im öffentlichen Diskurs irgendwie untergegangen ist.

Es wird nicht mehr diskutiert und beraten. Es wird nicht mehr versucht, Gegensätze zu verbinden. Es wird mehr denn je in Schubladen gesteckt, abgestempelt, abgeschrieben und entwertet.

Empfindet man Mitgefühl mit Asylanten und Vertriebenen und denkt sich, wir hätten eigentlich genug, um denen zu helfen – ist man ein linker Träumer. Hat man Befürchtungen, dass sich die Willkommenspolitik finanziell nicht ausgeht und befürwortet man Beschränkungen – ist man ein rechter Populist. Kritisiert man Israels Siedlungspolitik – ist man ein Antisemit. Findet man die derzeitigen Corona Maßnahmen übertrieben – ist man ein verantwortungsloser Egoist und gilt als einer, der den Tod tausender Menschen in Kauf nimmt.

Neue Regeln entstehen aus dem Nichts. Was richtig und falsch ist, wird uns mehr denn je diktiert. Das Recht auf Selbstbestimmung, was unseren Körper anbelangt, haben wir fast gänzlich verwirkt. Helm aufsetzen und anschnallen ging ja noch. Aber Maskenzwang (vor Monaten hatten wir noch Angst vor Frauen und Kindern mit Kopftüchern und Vermummung..), Impfzwang, Überwachung, Denunzierung – darüber sollte doch diskutiert werden dürfen.

Unterschiedliche Meinungen sollen gehört werden können. Gegensätzliche Meinungen sollen in den Suchmaschinen nicht nach hinten gerückt werden dürfen. Kritische Stimmen sollen nicht einfach von Twitter gelöscht werden dürfen, nur weil die Posts nicht mit den neuen Hygiene-Richtlinien übereinstimmen.

Ich weiß, alle haben Angst vor Corona. Ich hab a bisserl Angst, dass wir als Bürger bald nix mehr zu sagen haben (oder nix mehr sagen wollen) und dass Oppositionen immer weniger gehört werden. Und ich hab Angst, dass wir die jetzige Chance des vorübergehenden eh „sanften“ Shut Downs nicht zum innehalten und nachdenken nützen und nachher alles noch schlimmer wird..

Dies sollte ein aufbauender Blog mit vielen guten Nachrichten sein! 😉Geh bitte, teil ein paar positive Links mit mir! Einfach als Kommentar! Danke im Voraus!

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Ken FM im Gespäch mit Jean Ziegler

Jean Ziegler: Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen

Das provokante Debattenbuch des international bekannten Globalisierungskritikers. Quelle: Random House

Die Kriege sind zurück, Hunger und Not gehören auch in Europa wieder zum Alltag, aufklärungsfeindliches Denken gewinnt an Boden. Die Welt verfügt zum ersten Mal in ihrer Geschichte über die Ressourcen, Hunger, Krankheit, Tyrannei auszumerzen; und doch wird der Kampf um knappe Güter menschenverachtend in immer neuen Dimensionen ausgetragen.

Jean Ziegler, der seit Jahrzehnten Elend, Unterdrückung und Ungerechtigkeit anprangert, blickt zurück und befragt sich selbst, was er mit seiner wissenschaftlichen und politischen Arbeit bewirkt hat. Warum gelang es den Menschen in den westlichen Gesellschaften bisher nicht, ihre inneren Ketten abzuschütteln, die sie hindern, frei zu denken und zu handeln? Ziegler ruft dazu auf, die Welt zu verändern und zu einer sozialen Ordnung beizutragen, die nicht auf Beherrschung und Ausbeutung basiert. Seine Hoffnung richtet sich auf eine neue weltumspannende Zivilgesellschaft, die antritt, die Ursachen der kannibalischen Weltordnung zu bekämpfen.
„‚Ändere die Welt!‘ ist eine Begründung für all das, wofür Ziegler sich einsetzt. Eine Art Handbuch für den modernen Globalisierungskritiker und Intellektuellen.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung (09.06.2015)

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Bist du vorbereitet?

12705161_10208758160850811_8227855587431331697_nFür einen Freund

klopf, klopf… Wer ist da?… Dein Leben, das dir gerade ein paar Fragen stellt. Die Fragen sind unterschiedlich.. Mal geht’s um Beziehung, mal um den Job, ums Geld, und manchmal um Verzweiflung wegen Verwirrung bzw. um Tod.

Es macht nicht viel Sinn, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, ohne dass eine Anfrage vom Leben kommt. Unter Anfrage fasse ich mal folgendes zusammen: Alles, was dich tiefer berührt. Auch Schicksalsschläge, die Menschen betreffen, die dir etwas bedeuten. Viele Menschen leiden beispielsweise darunter, dass es anderen an den Kragen geht, dass andere verfolgt, verspottet und gedemütigt werden. Das wäre dann auch eine Anfrage..

Doch jetzt mal zum Tod. Ja, eher ein Tabu und nicht gern gesehen. Aber ich denke, Vorbereitung ist auch hierbei alles. Alles verliert an Schrecken, wenn man sich ein paar Fragen stellt, wenn man mit dem Thema kokettiert, sich nicht tiefer beeindrucken lässt und nassforsch die Kontrolle übernimmt.

Dazu hätte ich ein paar Fragen notiert:

Wie denkst du über den Tod nach? Neutral, ängstlich, freudig..

Hast du Angst vor dem Sterben?

Willst du verbrannt oder begraben werden?

Wie soll deine Beerdigung verlaufen? Möchtest du Musik und wenn ja, etwas bestimmtes?

Welche Menschen sollten eine Rede an deinem  Grab halten?

Sollen sie nachher eine Party feiern?

Welches Motto sollte die Party haben?

Soll man Video, Audio und Fotomaterial von dir zeigen?

Woran würdest du, außer am Leben, noch gehindert werden, wenn du stirbst?

Was müsste unbedingt in deinem Nachruf vorkommen?

Was würde dein bester Freund über dich sagen?

Was hast du vor, nachdem du gestorben bist?

Hast du noch offene Rechnungen zu begleichen?

Hast du das Beste gegeben, während du noch lebst?

Welche Menschen hätten mehr deiner Aufmerksamkeit verdient?

Und welche weniger?

Wer soll in deiner letzten Minute bei dir sein?

Hast du Angst, dass dich keiner vermisst?

Was an dieser Angst ängstigt dich?

Denkst du, dass dass der Mensch im Leben eine Aufgabe hat?

Denkst du, dass du diese Aufgabe erfüllt hast?

Was würdest du benötigen, um sie zu erfüllen?

Wessen Tod hast du bisher am meisten betrauert? Und warum?

Mit wem würdest du dich gerne über den Tod unterhalten?

Mit wem hast du schon über den Tod geredet? Welches Gefühle hat das bei dir ausgelöst?

Würdest du gern ewig leben?

Was würde dich am sterben wohl am meisten nerven?

Wie würdest du dir wünschen, zu sterben?

Die Fragen sind absichtlich nicht geordnet. Nimm dir eine Stunde Zeit und beantworte die Frage gemeinsam mit einem Menschen, der dir etwas bedeutet.

Liebe Follower, vergessenen Fragen können gerne als Kommentar hinzugefügt werden.

 

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Armin Wolf – WARUM DIE SICHERHEIT NICHT WIEDERKOMMT

Herr Wolf schrieb heute, am 19. August – just an seinem Geburtstag – folgenden Artikel auf seinem Facebook-Profil:

Sorry, das wird jetzt etwas länger, aber ich will das seit Tagen schon loswerden…

Ich bin Jahrgang 1966, also vor allem in den 1970er Jahren aufgewachsen, als im Fernsehen die Sparbuch-Werbung unten lief. Das war im Großen und Ganzen eine feine Zeit. Die einzige „Krise“, die wir Kinder mitbekamen, war, als eine Zeit lang jede Familie einen Tag pro Woche auf ihr Auto verzichten musste, um Benzin zu sparen (an welchem Tag – dazu musste man ein Pickerl aufs Auto kleben).

Ich glaube, dass heute sehr viele Menschen in Österreich eine große Sehnsucht nach dieser Zeit haben. Nur: Sie wird nicht wiederkommen. Weil diese Zeit ein einmaliger, (für uns) glücklicher Zufall in der Geschichte war.

Es geht gar nicht konkret um die 1970er, sondern um ein Lebensgefühl. Um die Übersichtlichkeit von damals, die Ordnung und die alltägliche Grundsicherheit – dass es Arbeit gibt und die Wirtschaft wächst, dass Papa nächstes Jahr mehr verdienen wird als heuer und in fünf Jahren noch mehr, dass man sich keine grundsätzlichen Sorgen machen muss. Und völlig klar war, dass es den Kindern einmal besser gehen wird – jedenfalls aber nie wieder so schlecht wie unseren Großeltern oder Eltern, die einen Krieg und die große Not danach erleben mussten. Das Wirtschaftswunder war in den 1970ern schon vorbei, das Land wieder aufgebaut, es herrschte „Vollbeschäftigung“, Kreisky regierte mit absoluter Mehrheit (was in Tirol wirklich nicht allen gefiel) und es ging – scheinbar für immer – aufwärts. Kurz: es war nicht alles perfekt, aber man musste jedenfalls keine Angst vor der Zukunft haben. Im Gegenteil.

Heute haben sehr viele Menschen Angst vor der Zukunft. Fast eine halbe Million ist arbeitslos, wer nicht selbst betroffen ist, kennt jemanden und fast jeder merkt, wie der Druck am Arbeitsplatz steigt. Wer über Mitte 40 ist, macht sich häufig Sorgen um den eigenen Job, auch in Branchen, in denen das früher nicht so war – und vor allem um die Zukunft seiner Kinder. Dass die es mal besser haben werden, ist keineswegs gewiss, in vielen Mittelstandsfamilien sogar eher fraglich.

In den Nachrichten laufen bad news ohne Ende, alleine gestern: Terror in Bangkok, wieder Kämpfe in der Ukraine, IS-Offensive in Syrien, Griechenland-Milliarden und Asylkrise, Flüchtlinge, Zuwanderer. 8.500 neue Asylanträge in Österreich alleine im Juli, bis zu 80.000 in diesem Jahr, 80 Prozent davon aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Auch in den 1970ern gab es Ausländer in Österreich: Türken und „Jugos“, Gastarbeiter und ihre Familien, die ab Mitte der 60er Jahre hierher geholt wurden, weil es zu wenige einheimische Arbeitskräfte gab. Selbst in den 70er Jahren hörte man Erwachsene schon über die „Tschuschn“ schimpfen, nicht umsonst entstand damals das berühmte Plakat „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns‘ zu dir Tschusch?“ Aber kaum jemand fühlte sich von Ausländern bedroht.

Nicht wenige Menschen würden gerne wieder dorthin zurück. Sie haben Angst „fremd im eigenen Land“ zu werden, um ihre Jobs, vor der Zukunft, Angst vor der Unübersichtlichkeit und der Ungewissheit. In ihrer Erinnerung war damals praktisch alles besser. Und weil das war, als es noch den Schilling gab und Grenzkontrollen und keine EU-Mitgliedschaft, glauben viele, „die EU“ sei daran schuld. Und wäre Österreich „nicht dabei“, hätten „wir“ weder eine Euro-Krise, noch Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien und die Grenzen könnten wir auch wieder zusperren.

Was sie dabei übersehen ist, dass die Probleme wenig mit dem EU-Beitritt zu tun haben (obwohl man die Euro-Einführung für keinen Geniestreich halten muss). Es ist nur ein ungefähres zeitliches Zusammentreffen. Diese Phase, an die sich viele als so gut und sicher zurückerinnern, war nicht mehr als ein einmaliges historisches Zeitfenster von wenigen Jahrzehnten zwischen ca. 1960 und den frühen 1990ern. Die ärgste Not nach dem Krieg war vorbei, die Wirtschaft wuchs quasi automatisch und die großen Probleme der Welt waren von uns weggesperrt: Hinter dem Eisernen Vorhang im Osten Europas und in den grauslichen Diktaturen Nordafrikas und des Nahen Ostens.

Aber dieses Zeitfenster ist vorbei. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Globalisierung und Digitalisierung der Wirtschaft und zuletzt mit dem „Arabischen Frühling“ ist die Geschichte zurückgekehrt. 
Die Not im Osten Europas, in Vorderasien und Nordafrika ist nicht mehr hinter Mauern und in Diktaturen eingekerkert, die Menschen dort können sich ebenso frei bewegen wie wir. Sie können sich ein besseres Leben suchen – weg von (Bürger-)Krieg, IS- oder Boko Haram-Terror, neuen Diktatoren und wirtschaftlicher Not. Und weil es Facebook, YouTube und Google auch in Syrien, im Irak und Eritrea gibt, braucht es kein „Westfernsehen“ mehr wie einst in der DDR, um zu sehen, wie ein besseres und friedlicheres Dasein aussehen kann.

Über Jahrhunderte hinweg sind Menschen in Massen gewandert, um neue Länder zu erobern, vor Kriegen und Hungersnöten zu fliehen oder um sich und ihren Familien eine neue Heimat suchen. Heute will kein fremdes Heer mehr das „Abendland“ erobern. Aber für Millionen, die nicht sehr weit von uns entfernt in Kriegsgebieten und großer Not leben, ist Europa ein ungeheuer attraktives Ziel. Wir werden sie schlicht nicht daran hindern können, zu kommen oder es zumindest zu versuchen. Im Vergleich zum täglichen Bombenterror in Aleppo sind auch das Chaos in Traiskirchen, der „Dschungel“ in Calais, das Zeltlager in Bayern und die endlose Reise nach Schweden attraktiv. Schon deswegen, weil hier Frieden herrscht. 

Die Frage ist, ob unsere Gesellschaften und unsere Demokratien in der Lage sind, mit dieser Herausforderung umzugehen? Oder ob wir die 1930er Jahre wiederholen wollen? Damals waren die Demokratien in Europa noch jung. Und nur in wenigen Ländern haben sie die Weltwirtschaftskrise samt Massenarbeitslosigkeit überstanden. Der vermeintliche Ausweg aus der großen Krise war für viele Menschen damals die Flucht in den Nationalismus – mit allen bekannten, katastrophalen Folgen. In den letzten Jahrzehnten waren wir uns alle sicher, dass sich das nie mehr wiederholen kann.

Aber können wir uns wirklich sicher sein? Wer auf Facebook liest, welche Wut, welche Aggression und welcher Hass da hinausgebrüllt wird, großteils mit Namen und Foto, kann kaum daran zweifeln, dass sich auch heute wieder „Reibpartien“ organisieren ließen wie 1938. Das Bedürfnis, anderen die Schuld dafür zu geben, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie mal war, ist bei vielen Menschen beängstigend groß.

Ich bin mir nicht sicher, wie „krisenfest“ unsere Demokratien sind – in den letzten 70 Jahren haben sie ja kaum Krisen erlebt. Dementsprechend fehlt vielen Politikern auch die Erfahrung mit Krisen. Sie wirken überfordert und immer weniger Menschen trauen ihnen zu, die neuen Probleme zu lösen. (Die Unfähigkeit der EU-Regierungen, sich auch nur über Länderquoten für Flüchtlinge zu einigen, liefert ja auch ein erschütterndes Beispiel dafür.) 
Der Frust mit traditionellen Parteien und die Verachtung etablierter Politiker erreichen Werte, die erschreckend sind. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Politikern, die ihnen den Eindruck vermitteln, sie könnten die Geschichte irgendwie zurückdrehen: Wenn sie an der Macht wären, würden die Probleme (wie auch immer, Details sind da nicht so wichtig) einfach wieder weggehen. Es wäre … wie früher.

Die Sehnsucht danach, dass es so ordentlich, gemütlich und friedlich wird wie damals, als Mama und Papa sich um die Probleme kümmerten und einen vor der bösen Welt beschützten, ist verständlich – aber eben kindlich. 
Erwachsenen, die sich an die 1970er erinnern können, sollte klar sein, dass sie jetzt Mama und Papa sind und die Probleme selber lösen müssen – und auch mit manchen Problemen leben. Die Sicherheit von damals kommt nie mehr wieder, auch wenn wir es uns noch so wünschen. 

Die Welt ändert sich – und es wird auch kein „starker Mann“ die Geschichte zurückdrehen. Das ist übrigens das Einzige, was man verlässlich aus der Geschichte lernen kann: die Versuche mit den „starken Männern“, die gehen nie gut aus.

 

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