Ein Schlauchboot mit tausend Löchern

Heute ist der Tag der weltweiten Proteste. Irgendeine Aktion findet sicher auch in Ihrer Nähe statt.

In diesen Zeiten findet sicher jeder etwas, mit dem er unzufrieden ist. Soziale Ungerechtigkeit, Spritpreise, Korruption, Unterdrückung, Atomkraft, Plastik usw.

Eigentlich sind die Themen, die den Unmut des Weltmenschen erzeugen, derartig zahlreich, dass es mir vom Verstand her völlig illusorisch erscheint, all das unter einen Hut bzw. zu einer guten Lösung zu bringen. Wie soll das funktionieren? Es ist, als würde man versuchen, in einem Schlauchboot mit 1000 Löchern den Ozean zu überqueren.

Und dennoch beteiligen sich weltweit Hunderttausende an den heutigen Aktionen. Wieso sie das tun, kann nur daran liegen, dass die Alternativen langsam ausgehen. Wenn einem der Wahnsinn des Heute bei jeder Nachrichtensendung, beim Aufschlagen jeder Zeitung oder in jeder Talkshow (beliebig erweiterbar) begegnet, tut man sich schwer, seine Freizeit wie einst idyllisch zu gestalten.

Erfüllt Sie ein Nachmittag mit Freunden in einer Buschenschank (Heuriger), ein gepflegtes Abendessen in einem Restaurant, ein Aufenthalt in einer Therme wirklich angesichts des Desasters, dem man in seinem Leben minütlich begegnet, wenn man nicht gerade ein Einsiedler ist, der sich von der Umwelt abschottet? Sollten Sie mit Ja antworten, beneide ich Sie. Das meine ich ernst!

In zwei Stunden mach ich mich auf den Weg. Ich persönlich werde nicht gegen all die Ungerechtigkeiten demonstrieren, sondern eher dafür, dass die Menschen damit anfangen, ihre Beziehungen zu ihren Mitmenschen zu beleuchten. Meines Erachtens könnte dort der Schlüssel zum Erfolg liegen. Was wird es uns helfen, wenn jeder genug Einkommen hat, Atomkraftwerke stillgelegt werden und Alternativen zu Plastik auf den Markt kommen, wenn wir einander trotzdem nicht mögen? Wenn wir am anderen nur Fehler sehen und uns nichts verbindet, außer dass wir auf dem selben Planeten leben und während einer Demo das gleiche Feindbild haben?

Um bei dem Schlauchboot-Bild zu bleiben: Wenn wir als intelligente Menschheit mit besagtem durchsiebten Schlauchboot von A (Heute) nach B (Morgen) wollen, hilft uns nur ein Miteinander: Der eine Teil von uns muss das Wasser schneller rausschöpfen als es hineinsickert, ein anderer das Gummiteil schneller aufblasen als die Luft wieder rauspfeift und der dritte Teil muss so effizient wie möglich rudern. Sollten wir dann mit vereinten Kräften bei B ankommen, haben wir gelernt, uns mit- und füreinander anzustrengen und sind der Zukunft vielleicht würdiger als jetzt.

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5 Antworten zu Ein Schlauchboot mit tausend Löchern

  1. Soul Painting schreibt:

    wo kann ich unterschreiben!?
    🙂

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  2. neshama08 schreibt:

    mit der beste Kommentar bisher…..vielen Dank liebe Frau Gscheit…. Sie machen Ihrem Namen alle Ehre

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  3. Frau Gscheit schreibt:

    Liebe Leser, vielen Dank für Euer zustimmendes Feedback! Das gibt Mut zum Weitermachen!
    Frau Gscheit mit kleinem Augenzwinkern ;o)

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