In der Weisheit der Kabbala haben alle Buchstaben und Zahlen eine Bedeutung. Sie im Detail zu erfassen und sie sich egoistisch nutzbar zu machen, ist streng verboten. Nichts Spirituelles soll in diese Welt gezogen werden. Dennoch sind bestimmte Zahlen Teil spiritueller Prozesse, übder die man Bescheid wissen soll.
In der Weisheit der Kabbala haben die Zähne, das Kauen und sogar die Anzahl der Zähne eine tiefe spirituelle Bedeutung.
Die 32 Zähne entsprechen den 32 Wegen der Weisheit — den „32 Pfaden von Chochma“, die bereits im Sefer Yetzirah (Buch der Schöpfung) erwähnt werden. Diese 32 Wege setzen sich aus den 10 Sefirot und den 22 hebräischen Buchstaben zusammen. Sie beschreiben die Art und Weise, wie sich das Höhere Licht im Verlangen offenbart.
Die Zähne symbolisieren in der Kabbala die Kraft der Einschränkung, Trennung und Vorbereitung des Genusses. Nahrung steht spirituell für das Licht Chochma — den Genuss, die Fülle, das Wissen. Doch dieses Licht kann nicht direkt empfangen werden. Es muss zuerst „zerkaut“ werden.
Das Kauen bedeutet daher:
- sein Verlangen (Wunsch, Willen) zu analysieren,
- große egoistische Wünsche in kleinere Teile zu zerlegen,
- sie mit der Absicht des Gebens zu vermischen,
- und dadurch den Empfang des Höheren Lichtes zu ermöglichen.
So wie die materiellen Zähne die Nahrung zerkleinern und mit Speichel vermischen, damit der Körper sie aufnehmen kann, so „zerkauen“ die spirituellen Kräfte das Licht Chochma, damit es sich mit dem Licht Chassadim — der Eigenschaft des Gebens und der Barmherzigkeit — verbinden kann.
Deshalb wird in der Kabbala erklärt, dass ohne „Kauen“ selbst das beste Essen schaden kann. Spirituell bedeutet das: Wenn der Mensch Genuss direkt für sich selbst empfangen will, ohne innere Korrektur, wird das Licht nicht zum Leben, sondern zur Trennung vom Schöpfer führen.
Die 32 Zähne stehen auch für die vollständige Arbeit der Klärung. Der Mensch prüft seine Wünsche sorgfältig: Was kann ich empfangen? Mit welcher Absicht? Geschieht es um meiner selbst willen oder um zu geben? Das eigentliche Kauen ist also ein Prozess der inneren Sortierung und Veredelung des Verlangens.
Darum gelten Mahlzeiten in der Kabbala nicht als bloße körperliche Handlung, sondern als Abbild eines spirituellen Prozesses: die richtige Vorbereitung des Verlangens auf den Empfang der Höheren Fülle.