„Der große Wandel: Das Ende des Anfangs“

Von David Rotter / Sein Online

Wieder einmal erholen sich die Finanzmärkte nach einem Mini-Crash, während in London die festgenommenen Randalierer eines Beinahe- Aufstandes in Eilverfahren verurteilt werden. Der Nachrichtensprecher liest die Ergebnisse der Bundesliga vor und eigentlich kann alles weitergehen, wie bisher. Oder?


Leben am Rand – die Welt am Kipppunkt

Vor ein paar Tagen sah ich mit Bekannten zusammen zum ersten Mal seit Jahren wieder die Tagesschau. Irgendwo nach den Zuckungen des Finanzsystems und zwischen Aufständen in Israel und einem brennenden London sahen wir uns in die Augen: „Es hat angefangen.“

Was sich gerade in der arabischen Welt, in England und anderswo eruptionsartig entlädt, ist bei Weitem keine Überraschung. Unter der Oberfläche brodelt es seit Langem und die Spannung, die sich mittlerweile in fast allen Gesellschaften weltweit aufgebaut hat, lässt sich mit Klamotten, neuen Handys und Playstation-Spielen auf Dauer nicht betäuben.

Wir sehen Aufstände in Afrika, Arabien und Griechenland, Massendemonstrationen in Spanien und Israel – und wer es will, der weiß, dass dies nur der Anfang ist. Die Spannung ist spürbar, die Ungerechtigkeit mittlerweile so groß, dass man es fast nicht aushält, wirklich darüber nachzudenken. Es mag sein, dass wir uns als Gesellschaft viele Jahre recht erfolgreich davon abgelenkt haben. Nur wird das in Zukunft nicht mehr so einfach möglich sein. Und die Politik irrt sich, wenn sie meint, dass alle einfach weiter shoppen gehen.

Wer es will, weiß, dass die Welt wie sie ist, so nicht bleiben kann und auch nicht bleiben wird. Es ist schlicht keine Option mehr. Es wird einen Wandel geben – die offene Frage ist nicht, ob er kommen wird, sondern wie und wann. Mein Gefühl ist, dass die Spannung nun begonnen hat, sich ihren Weg nach draußen zu bahnen und dass uns in den nächsten zwei Jahren einige große Umbrüche bevorstehen.


Das entblößte System

Seit vielen Jahren prophezeien namhafte Wirtschaftsforscher, dass unser Finanzsystem keine Zukunft hat. Sowohl der Crash in 2008, als auch der gegenwärtige Crash wurden von nicht wenigen korrekt vorhergesagt (ebenso wie die Aufstände und Unruhen im Übrigen). Allerdings erreicht die Erkenntnis, dass unser System eigentlich kaum mehr als ein wandelnder Zombie ist, scheinbar erst jetzt langsam die Massenmedien und eine breitere Öffentlichkeit. Immer mehr Menschen sehen nun hinter die glitzernde Fassade, hinter die Lippenbekenntnisse der Politiker und immer weiter schwindet das blinde Vertrauen, dass unser System derzeit künstlich am Leben erhält.

Wir beobachten eine völlig bankrotte USA und ein ebenso bankrottes Europa, das gerade versucht, Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und nun auch Italien zu retten – die drittgrößte Wirtschaftskraft in der Union. Wäre es nicht so ernst, hätte die Situation fast eine gewisse Komik: ein völlig marodes System und eine darüber völlig ratlose Politik, die sich weigert, der Realität ins Auge zu blicken und keine andere Lösung mehr weiß, als bei den Ärmsten zu sparen.

Was wir da sehen, ist mit ziemlicher Sicherheit ein Finanzsystem, dass nur noch wenige Jahre oder gar Monate Bestand haben wird und ein Gesellschaftssystem, das sein Verfallsdatum längst überschritten hat. Vielleicht schaffen wir mit Gelddrucken und ein paar verzweifelten Rettungsaktionen noch drei, vier Mini-Crashs, aber spätestens dann ist der Ofen aus.

Wirtschaft ist ein Symbol dafür, wie wir uns als Menschen aufeinander und unsere Umwelt beziehen. Wir haben uns selbst, uns gegenseitig und den Planeten über viele Jahre ausgebeutet und dieser Weg hat schlicht keine Zukunft. Was immer da im Äußeren zusammenbricht, ist auch ein Symbol für eine Illusion, die wir alle bis zu einem gewissen Grad in unserem Inneren mit uns herumtragen. Es entblößt sich hier nicht nur ein falsches Geldsystem, es entblößt sich eine Art zu denken, zu sein und sich aufeinander zu beziehen, die wir alle in unserem eigenen Inneren konfrontieren müssen.


Der Anfang vom Ende oder das Ende des Anfangs

Ebenso wie unsere Wirtschaft – und fast alle gesellschaftlichen Systeme – ist auch der Planet an den Grenzen dessen angelangt, was er aushalten kann. Unsere Beziehung zu Gaia ist krank und wir werden unvermeidlich die entsprechenden Symptome sehen.

All das passiert wirklich. Wer es will, kann es sehen. Und es ist wohl Zeit, ehrlich zu werden, mit dem, was da vor sich geht. Es ist gut, wenn sich nun endlich die Spannung einen Weg nach Außen bahnt, wenn wir nicht mehr einfach wegsehen können. Es passiert wirklich, der Wandel hat längst begonnen, überall auf der Welt, und es hat keinen Sinn, es noch länger zu leugnen.


Der Spiegel ist geputzt

Vielleicht würden wir das gerne – selbst wenn wir uns als spirituelle Menschen verstehen, selbst wenn wir schon 10 Bücher über 2012 gelesen haben. Wir würden es gerne, weil all das ein Spiegel für uns selbst ist. Und wann immer wir mit einem Finger nach draußen zeigen, weisen drei auf uns selbst zurück.

Es ist Zeit, nach Innen zu gehen und sich zu fragen: Habe ich denn das alte System meines Denkens verlassen? Folge ich wirklich meinem Herzen oder gehorche ich nach wie vor meiner Angst, meinem Ego und den gesellschaftlichen Konditionierungen? Habe ich den Mut, meinem eigenen Zeug ins Gesicht zu sehen und es aufzulösen? Renne ich weiter in den ausgelatschen Pfaden meiner Vergangenheit oder habe ich den Mut, auf das zu hören, was meine Seele sich wünscht? Suche ich noch immer einen Schuldigen da draußen, oder habe ich Verantwortung übernommen? Kann ich meine Angst, meine Gier und mein Misstrauen loslassen? Was wähle ich täglich? Was möchte und ersehene ich wirklich? Bin ich bereit, dafür alles zu riskieren? Bin ich breit, die Herde zu verlassen, meine eigene Wahrheit zu leben, in jedem Augenblick, koste es, was es wolle?

Das System da draußen ist auch ein kollektives Bewusstseinsfeld, in das wir alle integriert sind. Daraus auszusteigen, ist vielleicht tatsächlich ein bisschen, wie aus der Matrix ausgestöpselt zu werden. Der Weg hinaus ist in meinen Augen nicht der Sprung in ein neues, besseres System, sondern er geschieht dadurch, dass sich jede/r Einzelne mit seiner eigenen Wahrheit im Inneren verbindet und sich über diese Wahrheit wieder in Einklang mit dem Leben, mit diesem Planeten und dem natürlichen Fluss begibt.


Angst vor dem Wandel

Ich glaube fest, dass dieser Wandel ein Wandel zum Guten ist. Aber ich glaube auch, dass es kein Spaziergang wird. Die alten Strukturen überziehen unseren Planten und unser Denken und Fühlen wie eine Kruste, die zu unflexibel ist, für das, was jetzt wächst. Sie wird zerbrechen und abfallen. Das wird für manche Menschen vielleicht nicht ganz einfach – besonders, wenn es dies für sie überraschend geschieht, wenn sie plötzlich alles verlieren, an was sie glauben und was für sie Sicherheit bedeutet.

Da ist ein riesiges Potenzial an Angst, Wut und Verleugnung und ich sehe derzeit nicht, dass dies einfach verschwinden wird, ohne die Bereitschaft der Individuen, sich damit innerlich auseinanderzusetzen. Alles, was innerlich unterdrückt ist, wird sich früher oder später einen äußerlichen Ausdruck suchen, um uns den Spiegel vorzuhalten. Der Blick in diesen Spiegel mag in den nächsten Jahren zu manchen Zeiten ein erschreckender sein.

Es mag sein, dass es an vielen Orten zu Chaos kommen wird, wie wir es schon jetzt in Griechenland, England und anderswo gesehen haben. Aber ich glaube auch, dass an anderen Orten ein friedliches Leben weitergeht. Und so wie Tiere ein Erdbeben oder ein Gewitter lange im voraus spüren und sich davor in Sicherheit bringen, können auch wir Menschen uns auf eine innere Weisheit verlassen, die uns in diesen Zeiten führt. Dazu ist es allerdings notwendig, das wir uns wieder ausrichten auf diesen natürlichen Fluss der Intuition -und dass erfordert vielleicht, manches Alte loszulassen.

Es ist auch eine Zeit, sich zu fragen, ob wir das Vertrauen dazu haben: Wenn die alte Welt zerfällt, bin ich bereit, inmitten des Chaos zu stehen, mit Frieden in meinem Herzen? Wenn die Nacht sehr dunkel werden sollte, kann ich mich mit Vertrauen und Zuversicht auf die Morgendämmerung freuen?


Neues Bewusstsein

Ich glaube nicht, dass irgend etwas über Nacht geschehen wird. Deshalb nicht, weil wir uns in meinen Augen als Menschheit nun kollektiv mit unseren Schatten konfrontiert sehen, vielleicht mit unserem Karma, wenn wir es so nennen wollen. Der Weg zurück in die Ausrichtung auf einen organischen, natürlichen Weg, ist ein individueller Prozess hin zu einem neuen Bewusstsein. Der kollektive Prozess im Äußeren ist ein Katalysator und Spiegel für diese innere Reise, die wir nun alle vor uns haben.

Wir brauchen nicht zuerst neue Systeme, sondern ein neues Bewusstsein, das zwangsläufig neue Systeme manifestieren wird. Die Versuchung ist groß, eine Lösung im Äußeren zu suchen, wenn es dort turbulent wird. Meine Überzeugung ist, dass es noch nie für irgendetwas eine wirklich äußere Lösung gegeben hat oder geben wird. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir Frieden werden. Wenn wir Gerechtigkeit wollen, müssen wir die Einheit erkennen. Was immer wir im Inneren tragen, lässt sich nicht einfach außen überschminken, sondern wird sich bald in unserem Handeln zeigen.

So ist dieser Wandel eine Einladung, als Individuen, als Gesellschaft und als Menschheit einen neuen Evolutionsschritt zu tun – den Schritt vom Ego ins Herz. Und dieser Schritt muss zuerst im Inneren getan werden, bevor er sich in unseren Beziehungen und unserem Zusammenleben manifestieren kann.

Es liegt also ganz bei uns.

„Dies ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Aber es ist, vielleicht, das Ende des Anfangs.“
(Churchill)

Autor: David Rotter / Sein Online

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