Christoph Sieber „Ich will mich nicht gewöhnen“ – Gedanken zur Demokratie

Wenn auch Sie sich nicht an die Normalität gewöhnen wollen und dies auch ernst meinen, nutzen Sie das wichtigste Privileg der Demokratie, zur Wahl zu gehen. Egal zu welcher.

Es gibt Leute, die glauben, sich den Luxus leisten zu können, nicht zur Wahl zu gehen.. Dies ist meines Erachtens wenig durchdacht und zeugt von Undankbarkeit. Will heissen, dass man es nicht schätzt und nicht dankbar dafür ist, in einem Staat zu leben, in dem man seine Stimme abgeben darf. Es ist ja nicht so, dass man sich aussuchen konnte, wo man geboren wurde. Man könnte genauso in eine der korrupten Diktaturen hineingeboren worden sein. In dem Fall würde man sich nichts sehnlicher wünschen, als dass man wählen gehen könnte, und das Volk seine Meinung sagen und seine Politiker selber bestimmen darf.

Weiters hat das Nichtwählen Einfluss auf das Endergebnis: Angenommen 10 Personen müssten einen Politiker wählen. Aber nur 6 davon gehen zur Wahl. Davon wählen zwei Wähler die Person X und vier Wähler die Person Y. Person Y würde gewinnen. Insgesamt hätten demzufolge von den 100% Wahlberechtigten nur 40% Person Y gewählt. Nehmen wir weiter an, die 4 Nichtwählenden wären aber eher für Person X gewesen, dann hätte das Nichtwählen das Ergebnis verfälscht. Das Volk bekäme somit Politiker Y, mit dem jedoch 60% nicht einverstanden sind.

Genug davon. Ab etwa Minute 31:40 im Video verstehen Sie vielleicht besser, was ich meine.

Hier Christoph Sieber im Wortlaut.

„Ich will mich nicht gewöhnen, dass Deutschland Teil einer Kriegsmaschinerie ist. Ich will mich nicht gewöhnen, wenn der SPIEGEL schreibt, das Deutschland endlich in der Normalität angekommen ist, wenn es sich an internationalen Kriegseinsätzen beteiligt.

Die Beteiligung an Kriegen darf nie Realität werden.

Ich kann es nicht glauben, dass Verteidigungsministerin von der Leyen, auf die Frage eines Journalisten, ob denn eine Fußball-WM 2018 in Russland tatsächlich denkbar wäre antwortet: „Deutschland wird auf jeden Fall schießendes Personal schicken“. Das ist nichts anderes als die Verharmlosung des Krieges.

Ich will mich nicht gewöhnen, dass in Europa das Recht des Stärkeren gilt, wenn Hunderttausenden der Zugang zu Gesundheit, Bildung und einem würdevollen Leben einfach verwehrt wird.

Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass die Würde des Menschen antastbar ist, denn die Würde des Menschen steht tagtäglich zu Zehntausenden bei der Tafel an, um unsere Reste zu essen.

Die Würde des Menschen krepiert vor Lampedusa und die Würde des Menschen stirbt im Krieg und zwar in jedem Krieg, weil der Krieg keine Würde kennt, nicht die der Täter und nicht die der Opfer.

Ich will mich nicht an die Barbareien der globalisierten Welt gewöhnen, die Ausplünderung armer Länder, die Waffenlieferungen, die Unterstützung brutalster Despoten und Diktatoren, ich will mich nicht flüchten in den Zynismus derer, die sagen: „Da kannste nichts machen, das war schon immer so“.

Ich möchte mich nicht abfinden, dass es so etwas wie Alternativlosigkeit gibt, weil es immer Alternativen gibt, weil es das Wesen der Demokratie ist, dass es sowas gibt, wie Alternativen. Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der man tatsächlich glaubt, `wenn Jeder an sich denkt, dann ist an Alle gedacht.´

Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Menschen, die solche Gedanken haben, als Gutmenschen verspottet werden und verächtlich gemacht werden. – Ausgerechnet von denen, denen der Zynismus jegliche Empathie so zerfressen hat, dass sie ihre eigene Herzlosigkeit nur ertragen können, indem sie andere verächtlich machen.

Ich möchte nicht, dass die die Deutungshoheit über die Moral bekommen, die keine haben.

Es gibt die Unschuld des Nichtwissens nicht mehr.

Wir wissen, dass der Wohlstand auf Unrecht aufgebaut ist. Wir wissen, dass wir die Erde zerstören und wir können auch längst nicht mehr ignorieren, dass Andere arm sind, weil wir reich sind. Wir werden uns nicht raus reden können, mit dem immer gleichen: „Davon haben wir nichts gewusst“.

Nein, wir werden es gewusst haben. Und ich frage mich am Ende: Was wird man über uns sagen in zwanzig, dreißig Jahren? Wer werden wir gewesen sein? Die die zugeschaut haben, wie schon so oft? Werden wir die gewesen sein, die einfach weiter gemacht haben, weil es so bequem war? Oder werden wir die gewesen sein, die gerade nochmal rechtzeitig die Kurve bekommen habe und die die Reißleine gezogen haben, als es noch nicht zu spät war?

Ich bin mir nicht sicher, aber eins weiß ich gewiss, Siri hat darauf keine Antwort!“

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