Denkaufgabe

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Im Rahmen einer Internetrecherche stieß ich auf den Film im Anhang, der relativ einfach erklärt, was Systeme sind, woraus sie bestehen und wie sie wirken. Jetzt wundern Sie sich vielleicht, was die Systemtheorie mit Leisedenkertum zu tun hat? Ganz einfach – ich denke, dass vielen Menschen noch nicht bewusst sind, dass auch sie Teile eines Systems sind. Wir alle bilden zusammen das System Menschheit, welches wiederum aus vielen Subsystemen zusammengesetzt ist: Familie, Schule, Politik, Nationen, Gesellschaft, Umwelt, Finanz etc. Und jeder Teil beeinflusst den anderen, wenn auch auf den ersten Blick nicht offensichtlich..

Ein komplexes System ist dabei ein System, dessen Eigenschaften sich nicht vollständig aus den Eigenschaften der Komponenten des Systems erklären lassen – Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile (=Emergenz). Einfache Beispiele hierfür: ein Wort – seine Bedeutung ist höher als die seiner Bestandteile (Buchstaben); die La Ola Welle, die erst in einem Fußballstadion voll zur Darstellung gelangt; Schwarmverhalten, wobei die Bewegungen des Schwarms zum Teil schneller ablaufen, als die Reaktionszeit des Individuums (Vogel oder Fisch); Luft (oder Gas) – sie besteht aus Atomen und Molekülen, welchen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden; die Luft selbst jedoch hat andere Eigenschaften, als ihre Bestandteile: Man kann ihr Druck und Temperatur zuschreiben; und schließlich noch das Gehirn, dessen Bestandteile – simple Neuronen – ein Denkorgan erzeugen bzw. ein Ichbewusstsein entwickeln.

Als logische Konsequenz stellt sich die Frage: Was erzeugen alle Menschen zusammengenommen? Welche übergeordnete Struktur ergibt sich, wenn  alle menschlichen Subsysteme rund laufen? Ergibt sich daraus kollektives Bewusstsein? Und bedeutet kollektives Bewusstsein nur den Verlust der Individualität? A là Ameisen, Bienen und Borg? Oder kann es auch Vorteile bringen, von denen wir nicht zu träumen wagen? Wohlstand, friedliches Miteinander, großartiger Lifestyle für alle?

Auch für kollektives Bewusstsein gibt es ein Beispiel abseits von esoterischen und paranormalen Erklärungen: Kooperatives lernen – Schüler erzielen in Gruppenarbeiten erwiesenermaßen bessere Ergebnisse als durch individuelles, wettbewerbsmäßiges Lernen. Die Lernenden verstehen sich dabei als „Neurone“ und bilden gemeinsam eine Art Gehirn mit neuem Denkmuster.

Norbert Elias (Soziologe des 20. Jhdt.): Es dürfen weder die Ganzheiten auf die Einzelteile reduziert noch die Einzelteile aus dem Bild des Ganzen gedanklich entfernt werden, weil erst die komplexen Wechselwirkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Einzelteile das Ganze bilden. Und weiter: „Die ‚Umstände‘, die sich ändern, sind nichts, was gleichsam von ‚außen‘ an den Menschen herankommt; die ‚Umstände‘, die sich ändern, sind die Beziehungen zwischen den Menschen selbst. Der Mensch ist ein außerordentlich modellierbares und variables Wesen […].“ – Über den Prozeß der Zivilisation: Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation, Bd. 2, Neuauflage mit Einleitung, Bern / München: Francke, 1969. S. 377. Quelle: Wikiquote.

Elias sieht Menschen gewissermaßen als Akteure mit einem gewissen Freiheitsspielraum im Rahmenwerk dynamischer, sozialer Netzwerke. Wenn also die Umstände nicht von außen an den Menschen herankommen, sondern sich nur die Beziehungen ändern, liegt doch auf der Hand, dass der Mensch (vielleicht zusammen mit ein paar anderen) eine Systemänderung herbeiführen kann.

Er müsste demnach zunächst seine sozialen Beziehungen in seinem unmittelbaren Umfeld reflektieren und im Hinblick auf das übergeordnete System – und weniger auf die sichtbare Realität – beginnen, diese Beziehungen zu optimieren. Was jedoch, zumindest meiner Meinung nach, nichts mit Spenden, Stromsparen oder Konsumverweigerung zu tun hat – sondern sich fürs erste ausschließlich im Kopf abspielen kann und muss. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen (Mt 7:20) hat daher nur insofern Gültigkeit, wie den Taten authentische Gedanken und ein Bekenntnis zur Liebe zugrunde liegen.

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